Dienstag, 3. Februar 2009

Istanbul gegen die Wand? - Städtische Konflikte, ... (6.2. im Ballhaus Naunynstr.)

metroZones.SALOON 2
Freitag, 6. Februar 2009 // 20 Uhr, im Ballhaus Naunynstraße

metroZones lädt ein zur Diskussion
Istanbul gegen die Wand ? - Städtische Konflikte, counter spaces, transnationale Netzwerke

mit Pelin Tan
Soziologin, Vertreterin des Netzwerkes „Sulukule Platform“ (Istanbul), Gastprofessorin Akademie der bildenden Künste Nürnberg und Autorin zahlreicher Beiträge zum Verhältnis von Raum, Stadtpolitik und Kunstpraktiken

Orhan Esen
Historiker, Autor und Stadtführer (Istanbul), u.a. Mitherausgeber des Buches Self Service City: Istanbul,

und Vertreter/inn/en des Forums Berlin Istanbul

Im Frühjahr 2008 gingen Nachrichten über Zwangsräumungen und den Abriss des Istanbuler Stadtteils Sulukule durch die internationalen Medien. Heute ist ein Großteil des historischen Roma-Viertels – trotz breiten Widerstands und weltweiter Proteste – zerstört. Die bestehenden Pläne für Parkplätze, Shopping Malls und Luxuswohnungen im „osmanischen Stil“ scheinen endgültig realisiert zu werden.

Sulukule ist in Istanbul nur eines von vielen Beispielen für aktuelle (neoliberale) Umstrukturierungsprozesse. Diese treffen sowohl innerstädtische Quartiere als auch Gecekondu-Viertel, die ursprünglich an der städtischen Peripherie im Selbstbau entstanden sind. Auch in Tarlabası, einem Migrantenviertel in unmittelbarer Nähe des kosmopolitanen Vergnügungsviertel rund um den Taksimplatz, drohen Gentrifizierungsprozesse und massive Mieterhöhungen einkommensschwache Bevölkerungsgruppen zu vertreiben.

Auch wenn die Situation in Istanbul durch spezifische Bedingungen geprägt ist – großmaßstäbliche Masterpläne für die Metropole, neue Stadtentwicklungsgesetze sowie besondere lokale Akteurskonstellationen _ , erscheint es sinnvoll, nach Parallelen zu Auseinandersetzungen um aktuelle Verdrängungs- und Aufwertungsstrategien in Berlin zu fragen.

Wir möchten in der Veranstaltung metroZones.SALOON 2 über aktuelle urbane Konflikte in Istanbul, über Erfahrungen des (lokalen) Widerstandes und die Möglichkeiten auch transnationaler Unterstützungsnetzwerke diskutieren.

Welche Formen der kritischen Intervention gibt es bzw. hat es in Istanbul gegen städtische Umstrukturierungspläne gegeben? Welches sind zentrale Handelnde und Bündnisse? Wie werden hierbei die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der Istanbuler Bevölkerung repräsentiert?

Was sind überhaupt urbane counter spaces, und welche Bedeutung haben sie über die lokalen Konflikte hinaus? Welche Öffentlichkeiten werden angesprochen und hergestellt? Welche Formen, Ziele und Foren der transnationalen Vernetzung sind vorstellbar?

Ort: Ballhaus Naunynstraße, Naunynstr. 27, 10997 Berlin-Kreuzberg, U1 u. U8 Kottbusser Tor

metroZones e.V.* hat sich als unabhängiger Verein mit dem Ziel gegründet, an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Politik unterschiedliche Ansätze von Forschung, Wissensproduktion, kulturellen Praxen und städtischen Interventionen/Bewegungen zu thematisieren und zusammenzubringen. Dabei setzen wir auf internationale, interdisziplinäre und institutionelle Kooperationen.

* Jochen Becker, Britta Grell, Anne Huffschmid, Stephan Lanz, Oliver Pohlisch, Katja Reichard, Erwin Riedmann, Kathrin Wildner

Kontakt: metroZones [at] gmx.net

Istanbul gegen die Wand? ist eine gemeinsame Veranstaltung von metroZones und dem Ballhaus Naunynstrasse www.ballahausnaunynstrasse.de

1 Kommentar:

  1. Die Veranstaltung von "Metrozones" am 6.02. "Istanbul gegen die Wand" im Ballhaus Naunynstraße war in verschiedener Hinsicht sehr interessant und mit ca. 100 Leuten gut besucht.

    Einerseits wurde durch die Beiträge als auch visuell durch beamer-input ein eindrückliches Bild von Istanbul als "Boom-City" der "urbanen Transformation" ( "Stadt als Ware", Stadt als Ort der Kapitalakumulation, von der "Blaumannstadt" zur "Weißkragenstadt", Stadt als Dienstleistungszentrum und Tourismusmetropole ) geliefert. Mit Beiträgen zu aktuell stattfindenden Zerstörungsprozessen - im Wesentlichen am Beispiel "Sulukule", aber auch in anderen Bezirken - den die Prozesse begleitenden ideologischen "Begründungsschienen" und den gesetzlichen Grundlagen ("urban new generation law").

    Als auch andererseits die Situation der Initiativen "Sulukule-Plattform", der Stand der Vernetzung, die sich aus der Arbeit ergebenden offenen Fragen (in wie weit ist es richtig oder auch wichtig, die spezielle Situation einer Anwohnercommunity, die von Zerstörung betroffen ist, in den Vordergrund des Protests zu stellen? - Zerstörung eines Ortes der lebendigen Roma-Kultur im Fall Sulukule) dargestellt.

    Neben der Vernetzung auf Stadtebene gings auch um Notwendigkeiten und - möglichkeiten der internationalen Vernetzung. "Stadtforum Berlin-Istanbul" plant hier in diesem Jahr zwei Austauschtreffen von Initiativen in Berlin und Istanbul.

    Kurz zu den Referent_innen:

    Orhan Esen (arbeitet bei INURA mit), zeichnete in seinem Redebeitrag einen Überblick der geschichtlichen Entwicklung Istanbuls, der "stadtsoziologischen" (keine Stadt der MieterInnen - wie etwa Berlin - sondern zu 70% aus WohnungseigentümerInnen, wozu aber auch die EigentümerInnen der "gecekondus" zählen, die als Eigentümer "2. Klasse" angesehen werden) und stellte seine Thesen zur gesellschaftspolitischen Bewertung des Prozesses der "urbanen Transformation" dar.

    Pelin Tan, in Istanbul lebende Soziologin und aktiv in der Protestbewegung gegen die Zerstörung des Stadtteils Sulukule, beschrieb vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen die Zusammenarbeit mit den AnwohnerInnen des Stadtteils, die Vielfältigkeit des Protests, der in hervorgehobenem Maße internationale Aufmerksamkeit erregen konnte, die Akteure vor Ort und die Tatsache, dass Sulukule heute trotz alledem zu 70% zerstört ist. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung wurden von Pelin Tan Fragestellungen formuliert, die sich allgemein im Kontext des Protests gegen Stadtumstrukturierungen stellen.

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