Sonntag, 26. September 2010

Hamburger Investor fürs Maria-Gelände beim Planungsausschuss Friedrichshain-Kreuzberg (Vorabversion)

Hier eine Vorabversion eines Gedächtnisprotokolls von einem Planungsausschussbesuch - vielen Dank für Kommentare!

Hamburger Investor fürs Maria-Gelände beim Planungsausschuss Friedrichshain-Kreuzberg (Vorabversion)

Unverhofft kommt oft, und so waren wir am Mittwoch, dem 22.9.2010 Zeuge einer nicht sehr überzeugenden Investorenvorstellung beim Planungsausschuss des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg im Rathaus in der Yorckstrasse. Herr Wiese von der NPS Tchoban Voss & Co. KG (http://www.nps-tchoban-voss.de) aus Hamburg war zu Gast und stellte gemeinsam mit seinem Architekt die Planungen für die Fläche am Spreeufer an der Schillingbrücke vor - dort, wo heute der Maria-Club besteht, nicht weit vom Ostbahnhof.

NPS Tchoban Voss GmbH & Co. KG aus Hamburg
Die NPS Tchoban Voss ist laut eigener Aussage seit 10 Jahren aktiv und hat in dieser Zeit ca. 20 Projekte mit einem Umfang in der Größenordnung von 30-40 Mio. Euro verwirklicht. Dazu gehört das aktuell im Bau befindliche Projekt der Friedrichstr. 100 nördlich des S-Bhf. Friedrichstraße.

Präsentation des Bauvorhabens
Für das Maria-Gelände planen die Investoren Neubauten für eine Nutzung durch Hotels, Büroflächen und Wohnungen. Büroflächen sollen in einer Größenordnung von 3,500 qm entstehen, die 83 Wohnungen machen mit 22,000 qm den Löwenanteil der neu entstehenden Nutzfläche aus.

In der Präsentation wurde auf die Durchlässigkeit des Bautenblocks mit zwei Durchgängen hingewiesen, wie auch die zurückhaltende Bebauung in Spreerichtung. Mit einem ab dem vierten Stockwerk herausragenden Erker an den Bürogebäuden an der Schillingbrücke wird das IBIS-Hotelgebäude auf der anderen Straßenseite aufgenommen und fortgeführt. Für den öffentlichen Grünstreifen zur Spree hin - ein Ergebnis des Bürger_innenbegehrens für das Spreeufer für alle - erklärt sich der Investor bereit, den Ideenwettbewerb inklusive Bürger_innenbeteiligung zu finanzieren

Fragerunde im Planungsausschuss
Bei der anschließenden Fragerunde für die Anwesenden des Planungsausschusses und des Bezirksparlaments gab es insgesamt einige sehr kritische Nachfragen, Ablehnung aber auch Zustimmung von ganz verschiedenen Seiten.

Eine erste Nachfrage bestand in der nach den Kosten für die Wohnungen. Herr Wiese sprach hier von 9-10 Euro/qm/Monat Kaltmiete und einem Kaufpreis von 3500 Euro/qm. Angemerkt wurde, dass in FHain/XBerg eher Wohnungen in einer anderen Preisklasse benötigt werden.

Sehr kritisch wurde der in luftiger Höhe hervorstehende Erkner beurteilt. Neben geschmacklichen Fragen wurde angemahnt, dass dieser Erker die Planungsleitlinien verletzen und die Rote Linie hin zur Spree überschreiten würde. Damit würde gerade der Willen des erfolgreichen Spreeufer-für-Alle-Bürger_innenbegehrens mißachtet, die Bauten in einer festgelegten Entfernung vom Spreeufer zu errichten.

Hinzu kommt die Höhe der Gebäude, die laut Bürger_innenbegehren 22m Traufhöhe nicht überschreiten darf. Hier wollen sich die Investoren&Architekten am Energieforum (in östlicher Richtung) und an den Genehmigungen für die Hotelbauten direkt am Stralauer Platz (nördliche Richtung) orientiert haben - und erreichen 26,30 Meter.

Die Rolle des Liegenschaftsfonds
Hier kam die Rolle des Liegenschaftsfonds ins Spiel, der die Maria-Fläche nach einem bedingungsfreien Höchstbieterverfahren verscherbelte und es nicht für nötig hielt, die Bieter auf das Bürger_innenbegehren zum Spreeufer hinzuweisen - was vom Bezirk sehr kritisch bemerkt wurde. Ein Schalk, wer böses dabei denkt und meint, dass der Senat (zur Erinnerung: an der Regierung ist die Linke + SPD) mit Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer sich hier besonders bemüht hätte.

Andere kritische Fragen betrafen dann die der Grundversorgung der zukünftig dort wohnenden - sowohl mit Betreuungs-, Bildungs- als auch Versorgungseinrichtungen. In der Nachbarschaft sind weder ausreichend Kindertagesstätten noch Grundschulplätze vorhanden und müßten vom Bezirk neu eingerichtet werden.

Insgesamt also ein Bauvorhaben, das a) den Wegzug der Maria zur Folge hat, b) Freiflächen an der Spree versiegelt, c) den Spreeraum an der Schillingbrücke weiter aufwertet, d) Konflikte zwischen neuen Bewohner_innen und den an der Spree Flanierenden provozierenen wird, e) den Bezirk bei der Lösung der Wohnungsprobleme kein Stück weiter bringt,

Und das wird vom Berliner Senat und dem Liegenschaftsfonds dann Stadtentwicklung genannt - herzlichen Glückkwunsch!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen