Dienstag, 29. März 2011

Kieze wehren sich





Offener Brief des Bündnisses - „Wem gehört Kreuzberg“
"Bremse ziehen
Berlin, 26. 03. 2011
„Wem gehört Kreuzberg“ ist ein Bündnis von KreuzbergerInnen, die sich gegen die Gentrifizierung d.h. den Verkauf von Wohnungen und die Verdrängung aus ihren Wohnquartieren in Berlin wehren.
Es gibt zu Recht gesetzliche Instrumentarien zum Schutz der Bevölkerung und ihres Wohnraumes. Wir fordern den Senat auf, von diesen Instrumentarien konsequent Gebrauch zu machen.
Der Regierende Bürgermeister Wowereit spricht von einer „Aufwertung der Bezirke.“ Wir finden, dass sich der Wert eines Lebensraumes nicht in Quadratmeterpreisen ausdrücken lässt.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit behauptet weiterhin, es gäbe „wenig Möglichkeiten, Mieterhöhungen zu verhindern“. Wer in der Logik verhaftet ist, dass „hohe Mieten kein Problem darstellen, sondern Ausdruck steigender Kaufkraft“ seien, erkennt reale gesellschaftliche Entwicklungen nicht mehr. Es erklärt aber die Selbstverständlichkeit mit der vom Senat Wohnungsbaugesellschaften privatisiert und die „wenigen Möglichkeiten“ auf bezahlbaren Wohnraum auch noch eingeschränkt wurden. Wir fordern, diese Fehlentwicklungen in der Wohnungspolitik umgehend zu korrigieren, ausreichend bezahlbaren Wohnraum für alle zu garantieren und sowohl bestehende Möglichkeiten auszuschöpfen sowie neue zu erschließen. Als ein Beispiel zur Orientierung empfehlen wir hier die Mieterpolitik in Wien.
Was Herr Wowereit leider zu vergessen scheint: er ist parlamentarischer und repräsentativer Vertreter aller BerlinerInnen. Mit der aktuellen Wohnungspolitik des Senats wird jedoch nur der zahlungskräftigste Teil der Bevölkerung berücksichtigt. Wir fordern dagegen, dass er auch seinen sozialen Verpflichtungen nachzukommen hat. Zahlungskraft hängt nämlich sehr wohl auch vom sozialen Status des Einzelnen ab!
Seit Jahrzehnten sind unsere Steuergelder in die Schaffung und Erhaltung von bezahlbarem Wohnraum investiert worden. Sie dürfen jetzt nicht auf den Konten von nationalen und internationalen Immobilienspekulanten verschwinden.
Berlin war immer eine Mieterstadt, das hat sie geprägt. Die Verlängerung der Sperrfristen für Kündigungen bei der Umwandlung von Wohnraum in Eigentum und deren Ausweitung auf 10 Jahre wäre zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung aber keine generelle Lösung des Problems. Daher fordern wir darüber hinaus einen generellen sofortigen Stopp der Umwandlung von Mietwohnraum in Eigentum - Berlinweit.
Bremse ziehen!
Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich mit uns zu wehren und laden sie am 5. April 2011 um 19:00 Uhr zu einer ersten Veranstaltung in die Passionskirche am Marheinekeplatz ein.
Unser Motto: WIR BLEIBEN! "

Kommentare:

  1. Bleiben, ja das hat mein Bruder auch gedacht und ist dann im ersten von zwei Entmietungsfeuern umgekommen. Das war in der Nacht zum 24. Juni 2008 in der Ansbacher Straße 61, in Schöneberg. Dann wurde/jetzt wird das Haus von einer Firma mit italienischer Leitung vermarktet, so italienisch daß der Name für die englischsprachige pdf-Datei das Wort 'Inglese' enthält. 35 Jahre hatte er da gewohnt; 35 Jahre hat er Steuern und Abgaben bezahlt; dann kam die Arbeitslosigkeit und der Spekulant. Ihr werdet Euch sehr warm anziehen müssen.

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  2. Hier gibts schöne Fotos von Flyern aus der Reichenberger Straße a la Wir-bleiben-alle!
    http://gentrificationblog.wordpress.com/2011/04/04/berlin-mach-mit-machs-nach-machs-besser/

    Und hier ein serh spannendes schönes Video mit Stimmen von Leuten von der Strasse zu WBA - anno 1992 von ak kraak:
    http://gentrificationblog.wordpress.com/2011/04/04/berlin-mach-mit-machs-nach-machs-besser/#comments

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